Hufgesundheit ist ein zentrales Thema der Pferde-Longevity. Die Hufe tragen unsere Vierbeiner durch ihr ganzes Leben und sind zudem ein faszinierendes Konstrukt. Erkranken sie, gerät schnell der gesamte Organismus in Stress. Hier erklären wir dir, wie der Huf aufgebaut ist und was du tun kannst, um ihn möglichst lange gesund zu erhalten.
Pferdehuf Aufbau
Pferdehufe sind komplex: Innerhalb der Hornkapsel passieren viele Dinge gleichzeitig.
Der Huf
- … ist Stoßdämpfer und Endstück des filigranen Pferdebeins.
- … trägt erstaunliche Lasten.
- … reagiert sensibel auf Fütterung, Fehlbelastung und Druck.
Im Inneren des Hufhorns befinden sich die beiden Knochen Hufbein und Strahlbein, daran schließt sich nach oben das Kronbein an. Das Hufbein ist ein besonderer Knochen: Es ist relativ porös und reagiert schnell auf Druckveränderungen durch Verformung oder sogar Auflösung. Hat ein Pony oder Pferd eine Fehlstellung, kann sich diese schnell auf das Hufbein übertragen.
Das Hufbein ist über die Huflederhaut mit der Hufkapsel aus Horn verbunden. Die Huflederhaut ist schmerzsensibel und sehr gut durchblutet, das Horn hingegen entspricht mehr oder weniger dem unserer Fingernägel. Seine Qualität hängt von der ausreichenden Versorgung mit Nährstoffen über die Fütterung, aber auch von der optimalen Durchblutung der Huflederhaut ab.
Hinzu kommen eine im Innern des Hufes gelegene Polsterung, Gelenkkapseln und -bänder, sowie Sehnen, die die Impulse der weiter oben liegenden Muskeln an die Knochen weitergeben und so die Bewegung des Pferdebeins ermöglichen.
Was der gesunde Huf braucht
Bewegung, Bewegung und nochmal Bewegung! Der regelmäßige Wechsel aus Be- und Entlastung wirkt wie eine Pumpe: Der Huf dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen. So fördert Bewegung die Durchblutung der Huflederhaut und die Versorgung der hornbildenden Zellen. Bewegung ist ebenso dafür zuständig, Abfallstoffe aus dem Hufbereich abzutransportieren. Gesundes, stabiles Horn wird – angeregt durch passende Belastung – in ausreichender Menge nachgebildet.
Deswegen ist Boxenhaltung Gift für Pferdehufe. Ein Offenstall mit viel Platz oder sogar einem Paddock-Trail mit möglichst unterschiedlichen Bodenmaterialien ist die bessere Wahl. Verschiedene Untergründe fördern die Trittsicherheit und regen den Huf zum Hornwachstum an.
Gesunde Hufe brauchen normalerweise keinen Schutz in Form von Eisen oder Hufschuhen. Dieser kann aber sinnvoll sein bei starker Beanspruchung wie häufigem Kutsche fahren auf Asphalt oder Reiten in steinigem Gelände.
Hufschmied, Hufpfleger und Co
Alle 6-8 Wochen sollte eine gut ausgebildete Hufpflegeperson die Hufe deines Pferdes unter die Lupe nehmen. Meide ominöse, selbst ernannte „Huf-Gurus" – mit mangelnder Sachkunde kann man an einem Pferdehuf sehr viel Schaden anrichten.
Bei gesunden barhuf lebenden Pferden genügt meist ein Ausschneiden und Raspeln, um die Hufe wieder in Form zu bringen. Pferde mit anderen Bedürfnissen brauchen ggf. eine häufigere Hufpflege oder etwas mehr Aufwand. Dies betrifft besonders Ponys und Pferde mit Fehlstellungen oder verformten Hufen (z.B. Bockhuf, Trachtenzwang, etc.). Hier arbeitet der Hufschmied oder die Hufschmiedin auf eine gesunde Hufform hin, sowohl durch anderes Beschneiden als auch durch möglicherweise nötigen orthopädischen Beschlag.
Warum ist die Hufpflege beim Pferd so wichtig?
Der Huf ist ein sehr sensibles Konstrukt: Kommt es zu einer einseitiger Belastung, zur Verformung oder zu einer schlechten Versorgung des Hufes, kann dies weitreichende Folgen haben:
- Die Huflederhaut kann sich entzünden (Hufrehe). Sie ist extrem schmerzhaft für das betroffene Pferd. Außerdem kann sich im schlimmsten Fall die Verbindung zum Hufbein lockern und es kann zu einer Hufbeinrotation kommen.
- Fehlbelastungen im Bereich des Hufes setzen sich nach oben fort: Wird der Huf nicht korrekt belastet, leiden Sehnen und Gelenke in der gesamten Gliedmaße darunter. In der Folge kann es zu Verschleißerscheinungen und Entzündungen wie Arthrose, einem Fesselträgerschaden oder einer Hufrollenentzündung kommen. Auch Muskelverspannungen sind häufig die Folge.
Fütterung für gesunde Hufe
Auch die Fütterung hat einen großen Einfluss auf die Hufgesundheit. Die Hauptenergiequelle sollte aus Heu und Gras bestehen, Kraftfutter solltest du nur in Maßen füttern, wenn das Pferd wirklich arbeitet. (Und nein, eine Stunde ausreiten ist KEINE Arbeit!)
Wichtig sind eine ausgewogene Mineralstoffbalance und die passende Versorgung mit Spurenelementen und Vitaminen. Bedeutsam sind z.B.
- Biotin
- Zink
- Selen – Vorsicht, nicht überdosieren!
- Omega-3-Fettsäuren
- u.a.
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Fisch- oder Algenöl wirken entzündungshemmend und können positive Effekte auf die Hufdurchblutung haben. Das früher oft empfohlene Leinöl macht zwar im Zweifel ein schönes Fell und liefert Energie, nennenswerte Mengen an Omega-3 bleiben hingegen meist nicht hängen. Es enthält nur die Vorstufen der benötigten Fettsäuren, die nicht vollständig umgewandelt werden können. Außerdem wird es schnell ranzig, was sich negativ auf den Nährstoffgehalt auswirkt.