Katzen mit Arthrose lahmen selten. Sie springen einfach nicht mehr aufs Fensterbrett, putzen sich schlechter, werden ruhiger – und das wird schnell als „sie wird eben älter" abgetan.
Eine neue Studie an 38 Katzen deutet nun darauf hin, dass chronischer Gelenkschmerz auch das Nervensystem verändert: Erkrankte Tiere reagierten anders auf Gerüche und Geräusche.
Erfahre hier, welche Alltagszeichen wirklich auf Arthrose hinweisen und was moderne Schmerzkonzepte leisten können.
Wie häufig ist Arthrose bei Katzen?
Sehr häufig – und massiv unterdiagnostiziert. Veränderungen in Röntgenaufnahmen finden sich regelmäßig bei Katzen ab 7 Jahren. Ab einem Alter von 10 Jahren nimmt die Häufigkeit noch einmal massiv zu.
Der Grund für die Lücke zwischen Häufigkeit und Diagnose liegt im speziellen Verhalten: Katzen zeigen Schmerz nur sehr selten direkt und deutlich an, eine lahmende Katze mit Arthrose ist die Ausnahme. Stattdessen ziehen sich die Tiere eher zurück. Sie schlafen mehr, springen seltener, bewegen sich langsamer oder meiden bestimmte Wege. Auch eine gewisse Steifheit in der Bewegung kann mit der Zeit zu sehen sein. Diese Verhaltensweisen werden aber oft eher als normale Altersanzeichen gedeutet, nicht als Hinweis auf Schmerzen.
Was ist Arthrose bei Katzen?
Arthrose oder auch Osteoarthrose ist eine entzündliche Gelenkerkrankung. Der empfindliche Gelenkknorpel wird durch kleine Entzündungen und Verschleiß immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Dies verursacht Schmerzen im betreffenden Gelenk. Gleicht das Tier die fehlende Gelenkfunktion über eine Schonhaltung aus, können sich die Schmerzen über Muskelverspannungen und Muskelabbau noch weiter ausbreiten.
Meist verläuft Arthrose in Schüben. Nach einer stabilen Phase kommt es zu einem neuerlichen Entzündungsschub, der zu akuten Schmerzen, möglicherweise auch zur Schwellung des betroffenen Gelenks führt. Danach folgt meist wieder eine Zeit, in der das Geschehen eher ruht. Die Schmerzen bei Bewegung aber bleiben und nehmen weiter zu, je mehr der Gelenkknorpel zerstört ist.
Was die neue Studie untersucht hat
Untersucht wurden 32 Katzen mit Arthrose und 6 gesunde Kontrolltiere. Statt nur Gelenke zu bewerten, prüften die Wissenschaftler:innen, wie die Tiere auf Sinnesreize reagieren – unangenehme Gerüche und wiederholte Geräusche – und zeichneten parallel die Hirnaktivität (EEG) auf.
Das Ergebnis: Stärker erkrankte Katzen reagierten vermehrt auf unangenehme Gerüche und weniger auf wiederholte Geräusche, mit passenden EEG-Mustern. Anders gesagt: Ihr Nervensystem war generell in einem empfindlicheren Zustand – nicht nur das erkrankte Gelenk.
Dass dabei negative Geräusche weniger stark wahrgenommen wurden, deckt sich mit früheren Erfahrungen. Schmerzen können zu einer Dämpfung der Geräuschwahrnehmung führen, während Gerüche und andere Sinnesreize verstärkt spürbar werden.
Umbau im Nervensystem: Was ist „zentrale Sensibilisierung"?
Bei anhaltenden Schmerzen lernt das Nervensystem dazu – leider in die falsche Richtung. Der dauernde Beschuss mit Schmerzreizen führt dazu, dass Rückenmark und Gehirn eingehende Signale verstärken, die Schmerzschwelle sinkt.
Berührungen, die vorher neutral waren (Streicheln über den Rücken, Hochheben, Bürsten), werden dann als unangenehm empfunden. Aber auch Gerüche können verstärkt wahrgenommen werden. Dieses Phänomen heißt zentrale Sensibilisierung (= gesteigerte Schmerzverarbeitung im Nervensystem und Gehirn).
Wenn Schmerz erst im Nervensystem verankert ist, wird er zum eigenen Symptom.
Es reicht dann nicht, nur am Gelenk zu arbeiten. Genau deshalb sind reine „Gelenkkuren" bei fortgeschrittener Arthrose oft enttäuschend.
Und das grüne Licht?
Im zweiten Teil der Studie wurden die Katzen grünem Licht ausgesetzt. Bei 80% der weniger stark sensibilisierten Tiere sank danach die Empfindlichkeit für normale Reize messbar. Das ist ein spannender Erstbefund – aber ein Erstbefund an einer kleinen Gruppe von Tieren, ohne Langzeitdaten und ohne Wirksamkeitsnachweis im Alltag.
Wichtig für die Einordnung: Bitte kaufe jetzt keine grüne Lampe für deine Katze. Die Studie zeigt, dass sich Reizverarbeitung modulieren lässt – nicht, dass Licht eine Therapie ersetzt.
Woran erkenne ich Arthrose-Schmerz bei meiner Katze?
Beobachte deine Katze genau und achte darauf, ob sich ihr Verhalten verändert. Typische Hinweise auf Arthrose-Schmerzen bei Katzen sind die folgenden:
- Sprünge werden vermieden, verkürzt oder in Etappen ausgeführt.
- Fensterbrett, Kratzbaum oder Bett werden nicht mehr genutzt.
- Katzentoilette wird gemieden (hoher Einstieg!) oder es kommt zu Unsauberkeit.
- Rückzug, weniger Spiel, mehr Schlaf, Reizbarkeit beim Anfassen.
- Abwehr oder Zucken beim Streicheln über Rücken oder Hüfte.
- Fellpflege lässt nach, Struppigkeit am Rücken oder verfilzte Stellen.
Wie wird Arthrose bei der Katze diagnostiziert?
Die Diagnose einer Arthrose bei der Katze beruht auf dem Vorbericht der Tierhaltenden, gründlicher orthopädischer Untersuchung in der tierärztlichen Praxis und – wo sinnvoll – Röntgenuntersuchungen. Röntgenbilder und Beschwerden passen bei Katzen allerdings oft weniger gut zusammen, deshalb ist die Verhaltensbeobachtung zu Hause (gerne mit Handyvideos) ein echtes diagnostisches Werkzeug.
Arthrose Katze: Behandlung
Arthrose bei Katzen wird multimodal behandelt, also auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Schmerzmedikation:
Häufig startet die Behandlung mit einem entzündungs- und schmerzhemmenden Medikament. Wenn dies nicht ausreicht oder die Verträglichkeit eine längere Gabe nicht zulässt, gibt es auch Antikörper gegen Arthrose-Schmerz, die für Katzen zugelassen sind. Dieses Arzneimittel wird im Abstand mehrerer Wochen gespritzt. Dafür kommt die Katze regelmäßig in die tierärztliche Praxis. Für viele Katzen lässt sich mit dieser Therapie ein guter Status Quo erhalten. Diese Antikörper blockieren allerdings nur die Schmerzentstehung, nicht die zugrundeliegende Entzündung. Und wie alle Medikamente können sie unerwünschte Wirkungen haben. Darüber erfährst du bei Bedarf alles in der tierärztlichen Praxis deines Vertrauens.
Duftstoffe
Bestimmte Duftstoffe, etwa die Katzenminze oder extra für Katzen hergestellte Pheromone, können beruhigend auf das Nervensystem wirken. Verpackt in Säckchen, aufgesprüht auf den Schlafplatz oder als Verdampfer in der Steckdose unterstützen sie dabei, das Stresslevel zu senken.
Gewichtsmanagement:
Jedes überzählige Kilo belastet die Gelenke. Außerdem fördert übermäßiges Fettgewebe Entzündungen im Körper. Daher sind eine angepasste Ernährung und die Förderung von Bewegung hilfreich, damit die Katze ein gesundes Körpergewicht halten kann.
Fütterung
Ältere Katzen und besonders solche mit weniger Aktivität benötigen ein kalorienreduziertes Futter, das trotzdem alle notwendigen Nährstoffe enthält und auf den veränderten Stoffwechsel der Seniorenkatze abgestimmt ist.
Die Fütterung von Omega-3-Fettsäuren, Grünlippmuschelextrakt oder Teufelskralle kann die Gelenkgesundheit unterstützen und die Entzündungsneigung abmildern. Insbesondere für Omega-3-Öle ist dies auch wissenschaftlich nachgewiesen.
Futterzusätze auf der Basis von Grüntee und Milchprotein können Stress und Ängste lindern. Ihr Einsatz bei Arthrose zielt darauf ab, die Überreizung der Katze zu mindern und so ihre Lebensqualität zu erhöhen.
Umweltanpassung:
Wenn deine Katze Arthrose hat, kannst du ihr den Alltag deutlich leichter gestalten:
- Halte erhöhte Plätze über mehr Trittstufen und rutschfeste Rampen erreichbar – sie liebt sie immer noch als Ausguck und Rückzugsort.
- Ersetze wenn nötig die Katzentoilette durch eine mit niedrigerem Einstieg. Außerdem sollte die Grundfläche der Katzentoilette möglichst groß sein, damit sie sich darin trotz eingeschränkter Beweglichkeit drehen und wenden kann. Halte das Katzenklo extra sauber und vermeide – wie immer bei Katzen – zitrushaltige Reinigungsmittel.
- Schaffe Liegeplätze in verschiedenen Klimazonen, damit deine Samtpfote wählen kann, wo sie schlafen möchte. Eine Heizmatte für Katzen unter dem Liegekissen sorgt für zusätzlichen Komfort. Schmerzende Gelenke mögen Wärme!
- Platziere Futter und Wasser an gut erreichbaren Stellen so, dass sie ohne Kletterpartien erreichbar sind.
Physiotherapie
Auch Katzen können von kontrollierter Bewegung oder physikalischen Verfahren wie Wärme profitieren.
Therapie wächst mit
Arthrose bei der Katze ist eine lebenslang bestehende, chronische Krankheit. Stelle deinen Stubentiger regelmäßig in der tierärztlichen Praxis deines Vertrauens vor und besprecht dort gemeinsam, wie es weitergeht. Manchmal muss die Dosierung eines Medikaments angepasst werden, manchmal ist zusätzliche Unterstützung notwendig.
Im Vordergrund sollte immer die Lebensqualität deiner Katze stehen!
Fazit
Arthrose bei der Katze ist mehr als Gelenkverschleiß. Die neuen Daten sprechen dafür, dass chronischer Schmerz die Reizverarbeitung im gesamten Nervensystem verändert – das Erleben der Katze wird also auch in anderen Bereichen beeinflusst.
Grünes Licht als Schmerzmodulator ist ein interessanter Forschungsansatz, aber noch keine Praxisempfehlung.
Was heute hilft: genau hinschauen, Gewicht kontrollieren, die Wohnung barrierefrei machen und Schmerzen konsequent behandeln lassen.
Quellen
Delsart A, Castel A, Dumas G, et al. Green light exposure reduces central sensitization in cats with osteoarthritis-associated somatosensory impairment. iScience. 2026;29(9):117340. Published 2026 Aug 27. doi:10.1016/j.isci.2026.117340
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Enomoto M, Mantyh PW, Murrell J, Innes JF, Lascelles BDX. Anti-nerve growth factor monoclonal antibodies for the control of pain in dogs and cats. Vet Rec. 2019;184(1):23. doi:10.1136/vr.104590
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Dieser Beitrag dient der Einordnung und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Die Lichtexposition wurde in einer kleinen experimentellen Studie untersucht und ist keine etablierte Therapie.