Arthrose ist das Schreckgespenst jedes Pferdebesitzers. Die Diagnose bedeutet oft das Ende der sportlichen Karriere oder zumindest massive Einschränkungen. Doch Arthrose ist nicht einfach nur "Verschleiß", der zufällig passiert. Es ist ein entzündlicher Prozess, den wir durch Haltung, Training und gezielte Nährstoffe massiv beeinflussen können.
Gelenke sind fein austarierte Systeme aus Knochen, Bändern, Sehnen und Gelenkflüssigkeit. Mitunter kommen noch Stoßdämpfer wie z.B. Menisken dazu. Das Ganze wird umfasst von einer stabilen Gelenkkapsel. Nur wenn alle Bestandteile des Gelenks richtig zusammenarbeiten, klappt die Bewegung reibungslos – im wahrsten Sinne des Wortes. Insbesondere der Gelenkknorpel, der die Knochenenden überzieht, ist ziemlich sensibel. Schon kleinere Verletzungen können ihn nachhaltig schädigen.
Arthrose beim Pferd ist eine degenerative, also abbauende, chronische Gelenkerkrankung. Sie führt über entzündliche Schübe zu Schäden in den Gelenken und verursacht starke Schmerzen. Ob ein Pferd Arthrose bekommt und wie sie verläuft, wird von vielen Faktoren beeinflusst.
1. Die Biomechanik: Hufbalance ist alles
Let's talk about… Physik? Ja! Denn die Biomechanik ist extrem wichtig für gesunde Pferdegelenke. Und sie startet schon bei den Hufen: Zu lang gewachsene oder unregelmäßig abgenutzte Hufe führen ebenso wie andere Veränderungen (Trachtenzwanghuf, Bockhuf) zu einer fehlerhaften Belastung der Gelenke. Es kommt zur ungleichmäßigen Druckverteilung, die bereits kleine Verletzungen (Mikrotraumata) im Gelenkknorpel verursachen kann.
Du willst Arthrose bei deinem Pferd vorbeugen? Eine regelmäßige, sachkundige Hufbearbeitung gehört ganz unbedingt dazu!
2. Entzündungs-Management: Das Feuer löschen
Arthrose beginnt oft leise mit einer Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovialitis). Diese Entzündung setzt Enzyme frei, die den Knorpel angreifen. Und: Entzündungen sind sich selbst verstärkende Prozesse. Melden Immunzellen eine mögliche Bedrohung, locken sie damit weitere Zellen des Immunsystems an den Ort des Geschehens. Sie schütten Stoffe aus, die zum Absterben von Zellen führen und lassen das Gelenk und seine Umgebung anschwellen. Es kommt zu starken Schmerzen, zu Verklebungen von Gewebe im Gelenk und zu einem verringerten Knorpelstoffwechsel.
Diesen Prozess kann man beeinflussen, nicht nur mit klassischen Entzündungshemmern und Schmerzmitteln.
Die Rolle der Ernährung
Einem gesunden Verhältnis der mehrfach ungesättigten Fettsäuren Omega-3 und Omega-6 kommt eine große Bedeutung zu: Viele Pferde erhalten heute Futter mit einem hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren (getreidelastiges Kraftfutter). Omega-6-Fettsäuren fördern Entzündungen. Das natürliche Futter (Gras, Kräuter) enthält hingegen mehr Omega-3-Fettsäuren.
- Omega-3-Balance: Die Unterstützung mit zusätzlichen hochwertigen Omega-3-Fettsäuren (z.B. aus Algenöl) kann nachweislich helfen, die Entzündungsneigung im Körper abzumildern. Übrigens: Bisher dafür gern verwendete Öle wie Leinöl werden schnell ranzig und können zudem vom Pferd nur unzureichend verwertet werden.
- Senolytika (Fisetin): Neueste Forschungen deuten darauf hin, dass sich in alternden Gelenken sogenannte "seneszente Zellen" ansammeln. Diese Zellen teilen sich nicht mehr, sondern senden Entzündungssignale aus. Stoffe wie Fisetin könnten helfen, diese Zellen zu eliminieren.
3. Bewegung: Wer rastet, der rostet
Knorpel hat keine Blutgefäße. Er wird nur durch Diffusion ernährt, also durch das abwechselnde Be- und Entlasten des Gelenks. Bewegung pumpt die Gelenkschmiere zum Knorpel wie Wasser in einen Schwamm. Dadurch entsteht ein Stoffaustausch von der Gelenkschmiere in den Knorpel und vice versa. Abfallstoffe können abtransportiert werden.
Deswegen sind 23 Stunden in der Box Gift für die Gelenke. Viel freie Bewegung im Schritt (Offenstall, Paddock Trail) ist ideal. Kaltstarts im Training sind hingegen tabu. Mindestens 15 Minuten Schrittreiten vor der Arbeit sind Pflicht, um die Gelenke vorzubereiten.
Fazit: Agieren statt Reagieren
Warte nicht, bis dein Pferd erste Lahmheiten oder Steifigkeit zeigt oder die ersten Röntgenbefunde da sind. Arthrose-Prävention beginnt beim jungen Pferd. Durch korrekte Hufbearbeitung, entzündungshemmende Ernährung und artgerechte Bewegung kannst du die "Healthspan" – die gesunde, reitbare Zeit – deines Pferdes signifikant verlängern.