Arthrose ist das Schreckgespenst jedes Pferdebesitzers. Die Diagnose bedeutet oft das Ende der sportlichen Karriere oder zumindest massive Einschränkungen. Doch Arthrose ist nicht einfach nur "Verschleiß", der zufällig passiert. Es ist ein entzündlicher Prozess, den wir durch Haltung, Training und gezielte Nährstoffe massiv beeinflussen können.

In der modernen Tiermedizin verstehen wir Gelenke nicht mehr als starre Mechanik, sondern als lebendes Organ, das ständig auf- und abgebaut wird. Wenn der Abbau schneller erfolgt als der Aufbau, entsteht Arthrose. Hier sind die wissenschaftlichen Hebel, um das Gleichgewicht zugunsten deines Pferdes zu verschieben.

1. Die Biomechanik: Hufbalance ist alles

Bevor wir über Futter reden, müssen wir über Physik reden. Der Huf ist der Stoßdämpfer des Pferdes. Eine unphysiologische Hufform (z.B. zu lange Zehen, untergeschobene Trachten) verändert die Hebelkräfte im gesamten Bein.

Studien zeigen, dass schon geringe Fehlstellungen den Druck auf bestimmte Gelenkbereiche vervielfachen. Dies führt zu "Mikrotraumata" im Knorpel. Ein kompetenter Hufbearbeiter, der die natürliche Balance erhält, ist die wichtigste Arthrose-Vorsorge, die du betreiben kannst.

2. Inflammation Management: Das Feuer löschen

Arthrose beginnt oft leise mit einer Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovialitis). Diese Entzündung setzt Enzyme frei, die den Knorpel angreifen ("fressen").

Die Rolle der Ernährung

Viele Pferde erhalten heute Futter mit einem hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren (aus Getreide, Mais, Soja). Omega-6 fördert Entzündungen. Das natürliche Futter (Gras) enthält hingegen mehr Omega-3.

  • Omega-3-Balance: Die Supplementierung mit hochwertigem Omega-3 (z.B. aus Algenöl, da Pflanzenöle wie Leinöl vom Pferd nur ineffizient umgewandelt werden) kann helfen, die systemische Entzündung zu senken.
  • Senolytika (Fisetin): Neueste Forschungen deuten darauf hin, dass sich in alten Gelenken sogenannte "seneszente Zellen" ansammeln. Diese Zellen teilen sich nicht mehr, sondern senden Entzündungssignale aus. Stoffe wie Fisetin können helfen, diese Zellen zu eliminieren.

3. Bewegung: Wer rastet, der rostet

Knorpel hat keine Blutgefäße. Er wird nur durch "Diffusion" ernährt – also durch das abwechselnde Be- und Entlasten, das Nährstoffe in den Knorpel pumpt wie Wasser in einen Schwamm. Ein Pferd, das 23 Stunden in der Box steht, verhungert auf Gelenk-Ebene.

Die goldene Regel: Viel freie Bewegung im Schritt (Offenstall, Paddock Trail) ist ideal. Kaltstarts im Training sind hingegen Gift. Mindestens 15-20 Minuten Schrittreiten vor der Arbeit sind Pflicht, um die Gelenkschmiere (Synovia) flüssig zu machen.

Fazit: Agieren statt Reagieren

Warte nicht, bis dein Pferd sich "einläuft" oder die ersten Röntgenbefunde da sind. Arthrose-Prävention beginnt beim jungen Pferd. Durch korrekte Hufbearbeitung, entzündungshemmende Ernährung und artgerechte Bewegung kannst du die "Healthspan" – die gesunde, reitbare Zeit – deines Pferdes signifikant verlängern.